25. Juni 2018 | Unternehmen & Märkte

Zanders GmbH meldet Insolvenz an

Die Mutares AG, München, hat für ihr Tochterunternehmen, die Zanders GmbH, Bergisch Gladbach, beim Amtsgericht Köln Insolvenz  angemeldet. Zu Geschäftsführern wurden neben Igor Ferlan die Rechtsanwälte Christian Köhler-Ma und Gordon Geiser bestellt. In den nächsten drei Monaten soll ein Sanierungsplan vorgelegt werden mit dem Ziel, den Betrieb des Papierherstellers aus Bergisch-Gladbach zu sichern und dauerhaft wettbewerbsfähig aufzustellen. Die Mutares AG will den Prozess eng begleiten und unterstützen.

Seit der Übernahme der Zanders GmbH durch die Münchner Beteiligungsgesellschaft Mutares AG im Jahr 2015 hat das Unternehmen Umsatz und Unternehmensergebnis verbessert. So wurden durch Beiträge der Mitarbeiter die Personalkosten reduziert sowie durch Investitionen in Forschung und Entwicklung neue Geschäftsfelder entwickelt. Trotz des erheblichen Wandels litt Zanders, neben dauerhaft hohen Kosten für Betriebsrenten, unter extrem gestiegenen Rohstoffpreisen. So haben sich die Kosten für Zellstoff und Energie in den vergangenen zwölf Monaten um rund 40% erhöht.

"Die Sanierung in Eigenverwaltung erweitert die Handlungsoptionen auf dem Sanierungspfad. Bisher von uns getroffene Maßnahmen, wie unter anderem Investitionen in Forschungs- und Entwicklungstätigkeiten, mündeten speziell in den vergangenen drei Jahren in einem durchschnittlichen jährlichen Umsatzwachstum der Zanders GmbH von 12%. Zusätzlich haben wir von den Sanierungsgeschäftsführern eine durchweg positive Einschätzung zu den Sanierungsaussichten erhalten. Wir werden den Prozess weiter mit Leidenschaft und Engagement begleiten und sind von einer erfolgreichen Sanierung überzeugt", sagt Dr. Wolf Cornelius, COO der Mutares AG.


Kommentar:
Branchenkenner überrascht die Insolvenz von Zanders in keiner Weise. Nachdem der Vorbesitzer Metsä Board 2014 beschlossen hatte, Zanders nach vielen erfolglosen Sanierungsversuchen zu verkaufen, hat die Firma Mutares im April 2015 das Unternehmen übernommen. Metsä Board war froh, einen Käufer, der eventuell sogar noch Geld bekam, gefunden zu haben. Insofern ist das Wort Übernehmer wahrscheinlich treffender als das Wort Käufer. Schon damals bezeichneten einige Experten die langfristige Rettung des Unternehmens als Mission Impossible. Mit der Übernahme waren auch die Rentenverpflichtungen gegenüber der alten Belegschaft möglichen Käufern bekannt. Dementsprechend dürfte der Kaufpreis Null Euro oder sogar negativ gewesen sein. Für die nächsten  drei Monate werden die Gehälter der 500 Mitarbeiter vom Staat übernommen, so dass für diese Zeit die Weiterführung von Zanders in jedem Fall gesichert ist. Die Pensionslasten ehemaliger Mitarbeiter von jährlich ca. 2 Mio. Euro wird nach der abgeschlossenen Insolvenz der Pensionssicherungsverein übernehmen.

Der Aktienkurs der Mutares AG  bewegte sich  in den letzten Monaten an der Münchner Börse deutlich nach unten. Von einem Kurs von 21 € im Februar 2018 – dies entspricht fast dem Allzeithoch der Aktie – fiel der Aktienkurs auf 10,35 €. Mittlerweile pendelt er wieder bei ca. zwölf Euro. Auffällig ist, dass  Ende Mai an mehreren Tagen pro Tag 1 bzw. 1,2 Millionen Aktien von Mutares gehandelt wurden. Ein Wert, der recht ungewöhnlich ist, für eine eher unbekannte Aktie.

Der Belegschaft von Zanders bleibt zu wünschen, dass die neuen Geschäftsführer auch mit der Unterstützung von Dr. Wolf Cornelius und seinen Mannen in der Lage sind, das Ruder herumzureißen. G.B.

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