Bobst Open House bei Klingele in Grunbach

Inline Flexo-Produktion auf höchstem Niveau

Spitzenleistung im Flexodruck auf Wellpappe mit der Masterline-HD 2.1 – so das Thema eines Open House von Bobst am 18. und 19. April im Klingele-Werk in Grunbach. Die Teilnehmer aus zehn europäischen Ländern bekamen weit mehr geboten.

Bobst Open House bei Klingele in Grunbach
An der Open House Bobst Masterline-HD 2.1 im
Klingele-Werk in Grunbach nahmen etwa 70 Besucher
aus knapp 40 Wellpappenwerken aus zehn
europäischen Ländern teil
Quelle: Bobst

Einige der etwa 70 Besucher aus knapp 40 Wellpappenwerken waren mit konkreten Investitionsabsichten zum Open House gekommen. Andere nutzten gerne die Gelegenheit, die Produktionsprozesse eines Kollegenbetriebs kennenzulernen. Bei Klingele konnten sie da aus dem Vollen schöpfen.

Bobst hatte die Masterline-Plattform im Jahr 2010 vorgestellt. Sie integriert automatische Beschicker, Masterflex-HD-Flexodruckwerke, Mastercut-Flachbettstanzen, Nutzentrenner und Palettierer zu Komplettanlagen für die Herstellung fertiger Verpackungen in einem Arbeitsgang. Bei Klingele in Grunbach bildet eine Masterflex-HD mit sechs Druckwerken das Herzstück der Masterline, die hier rund um die Uhr produziert. "Ich war vom Masterline-Konzept von Anfang an voll überzeugt. Wir haben vier Jahre für die Entwicklung gebraucht und anschließend vier Jahre Praxiserfahrungen gesammelt. Das Ergebnis sind Spitzenwerte bei Qualität, Produktivität, Effizienz und Wirtschaftlichkeit, die wir hier bei Klingele sehen", erklärte Bobst-CEO Jean-Pascal Bobst. Weltweit sind inzwischen knapp 50 dieser Anlagen installiert, drei von vier sind Inline-Konfigurationen, bei denen die Masterflex-HD-Druckwerke die bedruckten Bogen direkt in die Mastercut transportieren.

Flexo- oder Digitaldruck?

Bobst Open House bei Klingele in Grunbach
Die Besucher zeigten sich beeindruckt von der hohen
Druckqualität der Masterflex-HD, die mit ihren sechs
Druckwerken bei Klingele in Grunbach das Herzstück der
Masterline bildet
Quelle: Bobst

Zwar verzeichne der Digitaldruck starke Zuwachsraten. Doch er werde den Flexodruck im Verpackungsmarkt auf absehbare Zeit nicht verdrängen. Bobst arbeite daran, seine Leistungsfähigkeit kontinuierlich weiter zu steigern. Jean-Pascal Bobst unterstrich diese Aussage mit der von seinem Unternehmen entwickelten THQ FlexoCloud-Technik für einen erweiterten Farbraum. Diese deckt mit den vier Grundfarben CMYK plus drei UV- oder wasserbasierten Druckfarben einen extrem breiten Farbraum ab. Dabei erzeugt sie im Direktdruck auf Wellpappen bei hoher Flexibilität und niedrigen Kosten leuchtende Farben mit großem Tonwertumfang. Die mit THQ FlexoCloud erreichbare Druckqualität kommt der von offsetkaschierter Wellpappe sehr nah.

Der CEO brachte die Besucher auch auf den aktuellen Stand der Digitaltechnik des Bobst-Unternehmens Mouvent. In ihm sei umfassendes Expertenwissen zusammengeflossen, um den Digitaldruck neu zu denken. So zeichnen sich die Mouvent-Digitaldruckmaschinen durch die marktweit wohl niedrigsten Gesamtbetriebskosten bei hoher Produktivität, Zuverlässigkeit und Qualität aus.

Highlights der Maschine

Bobst Open House bei Klingele in Grunbach
Klingele und Bobst pflegen seit Jahrzehnten eine enge
partnerschaftliche Zusammenarbeit:
Dr. Jan Klingele (links) und Jean-Pascal Bobst
Quelle: Bobst
Neben der speziellen Chemie der Tinten zählt der eigenentwickelte, modular aufgebaute Druckkopf-Cluster zu den Highlights der Maschinen. In ihm verfügt jeder einzelne Druckkopf über eine eigene Tintenversorgung, was seine enorme Leistungsfähigkeit erklärt. Und da sich in den Maschinen grundsätzlich beliebig viele Cluster kombinieren lassen, sind sie flexibel skalierbar. Nachdem Mouvent 2017 bereits eine Textil- und zwei Etikettendruckmaschinen auf den Markt gebracht hat, kündigte Jean-Pascal Bobst für das zweite Halbjahr 2018 eine Digitaldruckmaschine für flexible Verpackungen, für das erste Halbjahr 2019 eine für Faltschachteln und für die zweite Hälfte 2019 eine für Wellpappen an - ausnahmslos industrielle Lösungen, wie sie sich Bobst von Anfang an auf die Fahnen geschrieben habe.

Effizienz im Fokus

Für die Live-Demonstration der Masterline-HD 2.1 hatten Bobst und Klingele drei typische Jobs ausgewählt, wie sie in Grunbach für Kunden produziert werden. Bei allen drei Aufträgen kamen B-Wellen zum Einsatz, jeweils mit weißen Toplinern als Deckenmaterial. Sie liefen mit Geschwindigkeiten von 6500 Bogen/h durch die Maschine. "Wir wollen vor allem auch die Schnelligkeit dokumentieren, mit der sich die Masterline bei Auftragswechseln umrüsten lässt", erklärte Vertriebsmitarbeiter Markus Knott von Bobst Meerbusch, der die Maschinendemos moderierte.

Beim ersten Auftrag wurden Shelf-Ready-Verpackungen für Margarine auf Bogen im Format 1864 mm x 821 mm mit jeweils vier Nutzen mit zwei Farben und Lack bedruckt. Während sie durch die Masterflex-HD liefen, bereiteten die Maschinenführer bereits den Folgeauftrag vor, indem sie in die freien Druckwerke 3, 4 und 5 die Klischees einhängten. Nachdem die Verpackungen gedruckt waren, wurden in den Druckwerken 1 und 2 die Waschvorgänge gestartet sowie im Druckwerk 6 das Lackklischee und in der Mastercut die Werkzeuge gewechselt. Wenige Minuten später lief die Produktion des Folgeauftrags an.

Dabei wurden jeweils vier Nutzen einer Shelf-Ready-Verpackung mit drei Farben plus Lack auf Bogen im Format 1.996 mm x 693 mm gedruckt. Beim Einrichten des Auftrags kam das Start&Go-System von Bobst zum Einsatz, das die Anlaufmakulatur auf weniger als 20 Bogen bei neuen Aufträgen und sogar auf unter 15 Bogen bei Wiederholaufträgen reduziert. Nachdem in den Druckwerken 1 und 2 die Waschvorgänge beendet waren, wechselten in ihnen die Maschinenführer die Druckfarben und die Klischees. Sobald der Auftrag abgearbeitet war, bereiteten die Maschinenführer auch die übrigen vier Druckwerke für den nächsten Job vor. Dabei war der automatische Rasterwalzenwechsel in den Druckwerken 3 und 5 der Höhepunkt. In der Mastercut wurde bei diesem Auftragswechsel als Besonderheit eine Stanzrillplatte mit CNC-gefrästen Rillkanälen eingesetzt. Wieder vergingen nur wenige Minuten, schon konnte der nächste Job gestartet werden: eine Faltkiste für Bier, gedruckt in vier Nutzen mit fünf Farben plus Lack auf Bogen im Format 1793 mm x 1078 mm. Die Effizienz der Produktion mit der Masterline wurde für die Besucher greifbar.

Prozessoptimierungen

Bobst Open House bei Klingele in Grunbach
Vertriebsmitarbeiter Norbert Klein von Bobst Meerbusch
stellte die jüngsten Innovationen für die Masterline vor
Quelle: Bobst

Es gab zwei Präsentationen zum Thema Prozessoptimierung: Technology Coach Wilbert Streefland führte den Besuchern vor Augen, wo in der Praxis des Flexodrucks allein bei den Themen Register und Farbton meist enorme Verbesserungspotenziale schlummern. Drucken sei letztlich nichts anderes, als die richtige Farbe in der richtigen Menge an die richtige Position auf den richtigen Bedruckstoff zu den richtigen Kosten zu bringen. Hier gebe es etliche Variablen, die es anzuschauen lohne. "Wer von Ihnen ermittelt z.B. bei einzelnen Aufträgen den Ertrag pro Maschinenstunde?" fragte der Flexodruckexperte - ohne aus dem Auditorium wirklich eine Antwort zu erhalten.

"Ich will Ihnen helfen, effizienter zu werden", stellte sich Manfred Bauer vor, IoT-Experte (Internet of Things) und bei Bobst seit einigen Monaten für das Thema Connected Services verantwortlich. Unter diesem Begriff entsteht derzeit bei Bobst ein Portfolio innovativer, internetbasierter Servicedienstleistungen, die neue Formen der Zusammenarbeit zwischen dem Unternehmen und seinen Kunden in aller Welt ermöglichen. Der Schlüssel dazu ist die Anbindung der Maschinen von Kunden an übergeordnete IT wie MES (Manufacturing Execution Systeme) oder ERP-Systeme (Enterprise Resource Planning) und die Verbindung mit den Connected Services von Bobst. "Wir müssen uns gemeinsam Gedanken machen, welche der verfügbaren Prozess- und Maschinendaten wir nutzen wollen und wie wir sie intelligent interpretieren, damit Sie künftig unter anderem auch vorausschauend agieren können", formulierte Bauer das Ziel. Bobst werde hier eine Reihe von Standardlösungen anbieten, auf deren Basis sich individuelle Lösungen entwickeln lassen.

Nicht mit Druckwerken sparen

 "Wir haben bei der Entscheidung für die Masterline für Grunbach nur einen Fehler gemacht: sie 2015 als Vierfarbenmaschine installieren zu lassen. Angesichts der stetig steigenden Anforderungen des Marktes an die Farbigkeit von Verpackungen haben wir sie 2017 nachträglich um zwei weitere Flexodruckwerke zu einer Sechsfarbenmaschine erweitert", so Dr. Jan Klingele. Der Umbau sei zwar von langer Hand vorbereitet und präzise wie ein Uhrwerk vollzogen worden. Dennoch habe die Maschine dreieinhalb Wochen nicht produzieren können. "Nehmen Sie vor allem einen Rat von dieser Veranstaltung mit: Statten Sie Ihre Masterflex von vornherein mit ausreichend Druckwerken aus."
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