24. Oktober 2018 | Unternehmen & Märkte

Papiergroßhandel: Inapa kauft Papyrus von schwedischer Optigroup

Die portugiesische Inapa-Gruppe hat einen Vertrag zum Erwerb der Papyrus Deutschland GmbH & Co KG, inklusive der Papiervertriebsaktivitäten in Deutschland der schwedischen Optigroup AB, unterzeichnet. Durch die Zusammenführung von Papier Union und Papyrus Deutschland entsteht ein Unternehmen mit einer starken Position im Markt und einem Umsatz von rund 900 Millionen Euro (2017 erzielte Papyrus Deutschland einen Umsatz von fast 560 Millionen Euro mit einer ähnlichen Unternehmensstruktur wie die Papier Union, die einen Umsatz von 390 Millionen Euro generierte). Die daraus resultierende Organisation wird rund 1000 Mitarbeiter beschäftigen, die das Fundament für eine bessere Plattform zur Betreuung unserer deutschen Kunden bilden sollen.

Der Börsenkurs der Firma Inapa liegt aktuell in Lissabon bei ca. zehn Cent pro Aktie. Die Börsenkapitalisierung im vergangenen Jahr betrug ca. 19,2 Millionen €. Die offizielle Pressemitteilung spricht davon, dass der Kaufpreis durch eine Wandelanleihe im Wert von 15 Millionen € beglichen wird. Diese kann zu einem späteren Zeitpunkt Optigroup einen Anteil von 23 % an Inapa sichern. Nach dem offiziellen Börsenkurs von Inapa beträgt die Marktkapitalisierung zur Zeit 19,2 Millionen €. Für einen Aktienanteil von 23 % erhielte der Verkäufer demnach zur Zeit etwas unter 5 Millionen €. Nach Bekanntgabe der Übernahme stieg der Aktienkurs von Inapa kurzfristig deutlich von 0,08 € auf knapp 0,11 € pro Aktie, fiel allerdings wenige Tage später auf 0,08 Euro zurück. Seit dem Jahr 2009 hat die Aktie 77 Prozent ihres Wertes verloren.

„Dies ist ein wichtiger Schritt in der Strategie unserer Gruppe, die darauf abzielt, die Effizienz des Papiergeschäfets zu verbessern. Mit der Übernahme von Papyrus Deutschland wird Inapa seine Position im größten europäischen Markt Deutschlands stärken. Unsere Kunden profitieren von einem breiteren Produktportfolio in allen Segmenten grafischer und Office-Papieren, bei Verpackungen, visueller Kommunikation sowie bei Sicherheits- und Hygienelösungen. Unsere verstärkte geografische Präsenz wird es uns ermöglichen, unseren Kundenservice wie auch unsere Effizienz zu verbessern. Wir sind zuversichtlich, dass wir ein zuverlässiger Partner in Größe und Umfang sein werden, um die Bedürfnisse unserer Kunden auf einzigartige Weise zu erfüllen“, kommentiert Diogo Rezende, CEO der Inapa.

Diese Transaktion steht noch unter dem Vorbehalt der üblichen behördlichen Genehmigungen, insbesondere der deutschen Wettbewerbsbehörde, die in Kürze einen Markttest durchführen wird. Der Abschluss der Transaktion wird für Dezember 2018 erwartet.

Die Transaktionskosten werden teilweise dadurch beglichen, dass die Optigroup AB eine von Inapa ausgegebene Wandelanleihe erhält, vorbehaltlich der Zustimmung der Hauptversammlung durch die Aktionäre der Inapa. Die Anleihe wird nach vollständiger Wandlung in 23 % aller Aktien und Stimmrechte an Inapa wandelbar sein. „Dies ist ein klares Zeichen dafür, dass Optigroup an das Wertschöpfungspotenzial dieser Vereinbarung glaubt", ergänzt Diogo Rezende. Im Falle einer Umwandlung würde Optigroup zu einem relevanten Aktionär werden, allerdings ohne Kontrolle über Inapa.

Die heutige Ankündigung ist Teil der Strategie von Inapa für das Dreijahresprogramm 2016 bis 2018, das darauf abzielt, das Effizienzniveau des Papiervertriebsgeschäftes zu optimieren und zu steigern, komplementäre Geschäfte zu diversifizieren und auszubauen sowie die finanzielle Nachhaltigkeit der Gruppe zu stärken. Mit dieser Transaktion wird die Inapa-Gruppe mit einem Gesamtumsatz von rund 1.400 Millionen Euro und fast 1.900 Mitarbeitern in allen Regionen, in denen sie tätig ist, eine führende Position im Papiergroßhandelsmarkt einnehmen.

 

Kommentar 

Ein Kaufpreis von ca. 15 Millionen € für ein Unternehmen mit 360 Millionen € Umsatz wird mancher Kenner des Papiergroßhandels als sehr gering empfinden, selbst unter Berücksichtigung der Tatsache, dass in der Branche im Moment sehr wenig verdient wird oder sogar Verluste gemacht werden. In der Branche fragen sich Kenner, welche Veränderungen Inapa im Topmanagement und auf weiteren Ebenen anstreben wird. Es ist davon auszugehen, dass nach Absegnung der Übernahme durch die Wettbewerbsbehörden sich bei Papyrus noch einiges ändern wird. Der deutsche Papiergroßhandel insgesamt wird diese Konsolidierung begrüßen. Unter den ca. 8000 deutschen Druckern hingegen werden viele die Meinung vertreten, dass damit ihre Auswahlmöglichkeiten beim Papierkauf weiter eingeschränkt werden und Preiserhöhungen, die aus der Sicht der Papiererzeugung des Papiergroßhandels seit Jahren unzureichend umgesetzt wurden, schneller möglich sind. Außerdem stellt sich die Frage, was Optigroup als Mutter mit seinen Papiergroßhandels Aktivitäten in Tschechien – dort hat Papyrus eine namhafte Stellung – und anderen europäischen Ländern macht bzw. ob und gegebenenfalls wann diese verkauft werden. GB 
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