apr 3-4/2019
Investitionen

Siebfabrik Maurer plant Betriebserweiterung

Die Siebfabrik Arthur Maurer GmbH & Co. KG, Mössingen, plant im Sommer 2019 insgesamt vier Millionen Euro zu investieren, unter anderem soll eine neue Halle mit einer Fläche von ca. 1900 m² entstehen und auch ein neues ERP System soll im Laufe des Jahres die alte Unternehmenssoftware ablösen.

Siebsylinder vor der Auslieferung
Siebzylinder vor der Auslieferung
Quelle: Siebfabrik Maurer

Geplant ist mit der neuen Halle die Produktion zu dezentralisieren und die Produktivität zu erhöhen. Für Geschäftsführer Christoph Leppla ist dies ein Quantensprung, der das Unternehmen einen großen Schritt in Richtung Lean Production voranbringt. Im Gespräch mit der apr wirken Christoph Leppla, Vertriebsleiter Edgar Geweth und Anke Beckmann, die Personal- und Marketing-Leiterin des Unternehmens, positiv entspannt und als Unternehmer, die im besten Sinne etwas unternehmen wollen. Sie vermitteln: es läuft gut.

Auslieferung des 300. Sieb­zylinders

Endbearbeitung eines Metallsiebs
Endbearbeitung eines Metallsiebs
Quelle: apr

Gerade jüngst ist es gelungen, den 300. Siebzylinder für einen britischen Kartonhersteller auszuliefern. Er ist Teil
einer Lieferung von insgesamt acht Zylindern. Bei dem Kunden werden insgesamt sieben Siebzylinder ausgetauscht, einer bleibt in Reserve. Das Produktportfolio umfasst ebenso die Fertigung von Formern, Formierwalzen, Eindickern, Stoffänger und Aufgautschwalzen. In den letzten Jahren gelang es den Umsatz außerhalb von Europa deutlich zu steigern. Die Siebfabrik bietet heute einen umfassenden Service aus einer Hand, der einen kompletten Reparatur- und Instandsetzungsservice, auch beim Kunden vor Ort, beinhaltet. Zu den angebotenen Dienstleistungen gehören auch die weltweite Montage,  das Durchführen des Siebwechsels, das Aufziehen bzw. Aufschrumpfen von Kunststoffgeweben, aber auch spezielle Konfektionierungsarbeiten.

Das Produktionsprogramm dr Firma umfasst außerdem Rundsiebe (Diagonalspannüberzug) für die oben genannten Arten von Siebzylindern.

Daneben fertigt Siebfabrik Flachsortierer für Sortiervorgänge in der Altpapieraufbereitung und bietet in der Sparte Siebzylinder auch Dreharbeiten an besonders schweren und großen Werkstücken mit einem Gesamtgewicht von bis zu 12 t an. Die Länge der zu bearbeitenden Werkstücke kann bis zu 10 m betragen, der maximale Drehdurchmesser über Bett 2,50 m.

Ein Hidden-Champion mit breitem Produktprogramm

Das vor 57 Jahren gegründete Unternehmen kann getrost als Hidden-Champion bezeichnet werden und befindet sich mittlerweile seit sieben Jahren im Besitz des saarländischen Unternehmens Ad-part, Dillingen. Hier wird vor allem in traditionsbewusste, technologisch orientierte Unternehmen investiert.
(V.l.n.r): Geschäftsführer Christoph Leppla, Anke Beckmann, kaufmännische Leiterin, und Vertriebsleiter Edgar Geweth
(V.l.n.r) Geschäftsführer Christoph Leppla, Anke Beckmann, Personal- und Marketing-Leiterin, und Vertriebsleiter Edgar Geweth
Quelle: apr

Wie innovativ das Unternehmen ist zeigt die im Jahr 2016 verliehene Auszeichnung, als eines der Top 100 innovativsten Unternehmen des deutschen Mittelstandes. Das Unternehmen erhielt den Preis im Rahmen des deutschen Mittelstands Sammelns im Colosseum
Theater in Essen. Bewertet haben dabei Prof. Dr. Nikolaus Franke und sein Team vom Lehrstuhl für Entrepreneurship und Innovation der Wirtschaftsuniversität Wien.

Heute erwirtschaften 84 Mitarbeitern auf zwölf Präzisionswebmaschinen einen Umsatz von ca. 13 Millionen Euro pro Jahr. Teil der Maschinenausstattung sind zwei weltweit einzigartige 9 m breite Webstühle zur Herstellung von Metallsieben, die auch in die papiererzeugende Industrie gehen. Zum Produktionsprogramm gehören außerdem Formierwalzenüberzüge aus Metall und Kunststoff, Extratorwalzen und Egoutteurüberzüge. Neben der Papierindustrie (ca. 40% des Jahresumsatzes) werden auch die Nonwoven-, die Spanplatten- und die Faserzementindustrie beliefert. Teil des Lieferprogramms sind Formier- und Trockensiebe, Transport- und Pressensiebe, Prozessbänder aus drillierten Drähten und Architekturgewebe für die Fassadengestaltung und den funktionalen Einsatz.

Präzisionsarbeit mit ruhiger Hand

Die verwobenen Webedrähte besitzen eine Dicke von 0,11-1,2 mm und müssen markierungsfrei zu einem Endlossieb verschweißt werden. Um ein endlos Sieb aus Draht zu erzeugen, muss Draht für Draht – bis zu 5500 Drähte pro Meter – einzeln plasmaverschweißt werden. Diese Tätigkeit erfordert ruhige Hände, Geduld und die Fähigkeit gut unter einem Mikroskop mit seinen Händen arbeiten zu können. Nach der Produktion werden die Siebe auf sogenannten Streckbänken (Ausrüstungsmaschinen) entspannt. Bei diesem Vorgang wird dafür gesorgt, dass die Eigenspannung des Materials abgebaut wird. Im Metallbereich benutzt das Unternehmen Drähte aus Bronze, Kupfer, Messing und rostfreiem Stahl, aber auch verschiedene Chemiefasern (PEEk, PPS, Polyamid und Polyester) kommen bei der Produktion zum Einsatz.
Ein Bronzesieb  wird gewebt
Ein Bronzesieb wird gewebt
Quelle: apr
Ein Drittel der Umsätze erzielt das Unternehmen in Deutschland, ein Drittel im restlichen Europa und ein Drittel weltweit. Für die Hersteller von Sicherheitspapieren und Banknotenpapieren stellt die SIEBFABRIK Bronzegewerbe für die Prägung von Wasserzeichen her. In diesem sehr speziellen Geschäft ist das mittelständische Unternehmen weltweit Marktführer.

Geschichte des Unternehmens

1962: Arthur Maurer gründet mit zwei Mitarbeitern und einem Webstuhl das Unternehmen in Lichtenstein-Unterhausen.

1965: Günther Schaupp tritt in das Unternehmen ein. Zum damaligen Zeitpunkt beschäftgigte die Firma vier Mitarbeiter und produzierte auf zwei Webstühlen.

1976: Volker Friedrich tritt in das Unternehmen ein.

1988: Der Gründer Arthur Maurer    zieht sich aus der Firma zurück und überträgt die Leitung seinem

Schwiegersohn Günther Schaupp. Die Anzahl der Webmaschinen hat sich bis dahin auf neun Stück erhöht.

1995: Übernahme des einstigen Wettbe­werbers Chr. Wandel GmbH    & Co. KG. Der
Sitz des Unternhemens wird an den heutigen Standort Mössingen verlegt. Die Produkt­palette wird um Kunststoffgewebe und Rundsieb­zylinder erweitert.

1998: Das Unternehmen erweitert seine

Produktionsstätten in Mössingen-Öschingen.

2001: Der erste von zwei 9 m breiten Webstühlen (2008 wird der zweite angeschafft) wird gekauft. Die Firma ist seit dieser Zeit weltweit der einzige Hersteller, der Metallgewebe in dieser Breite herstellt.

2010: Christoph Leppla wird zweiter Geschäftsführer.

2012: Die Firma Ad-Part erwirbt das Unternehmen

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