apr 09/2018
[ Schoellershammer: Performance durch Papier ]

High-Performance-Sorten als echte Alter­native zu Primärfaserpapieren

Wo hohe Festigkeit und Optik gefragt sind, führte lange Zeit kein Weg an Kraftliner vorbei. Allerdings wurde dieser Weg mit den Jahren immer länger und endete nicht selten in einer Sackgasse. Die Firma Schoellershammer, Düren, Hersteller hochwertiger fester Verpackungspapiere aus 100 Prozent Altpapier, bot deshalb schon frühzeitig eine marktgerechte Alternative: Mit Hammerliner, Hammerflute und Twinhammer launchte das in neunter Generation inhabergeführte Unternehmen im Herbst 2015 drei High-Performance-Sorten als Antwort auf drängende Fragen aus dem Markt.

apr Titelstory 09/2018
Quelle: Schoellershammer/Voith
Nur noch wenige Kraftliner-Hersteller in Europa sowie - in Zeiten hohen Bedarfs - Lieferstopps bei integrierten Konzernen machen vor allem mittelständischen Kunden das Leben schwer. Insbesondere die Agrarwirtschaft und Hersteller von Schwerlastwellpappe suchten deshalb nach Alternativen in Phasen kurzer Märkte. Hammerliner, Hammerflute und Twinhammer von Schoellershammer zeigten den ebenso begehrten wie knappen Wellpappenrohpapieren auf Primärfaserbasis binnen kurzer Zeit, wo - um im Bild zu bleiben - der sprichwörtliche Hammer hängt. Hergestellt ohne Frischzellulose hat der Hammerliner eine etwas geringere Festigkeit  als Kraftliner. Dennoch können mit diesem Produkt gleiche Festigkeitsleistungen oder Steifigkeiten erreicht werden. "Mit etwas höheren Flächengewichten ist die Differenz problemlos ausgleichbar", so Bernd Scholbrock, Geschäftsführer bei Schoellershammer. Dabei punkten die Dürener High-Performance-Sorten als nachhaltiges Produkt nicht nur bei der Umweltbilanz: Bessere Verfügbarkeit als die nach wie vor knappen Produkte mit Frischfaseranteil sowie geringere Kosten bei gleichzeitiger Unabhängigkeit von der Lieferbereitschaft integrierter Anbieter sprechen ebenfalls für diese Alternative.

Starke Argumente durch führende Technologie

Als Substitut zum Kraftliner weist der Hammerliner Festigkeitswerte vom Testliner 1 auf. Neben diesen exzellenten Werten überzeugt er durch ein besonders schönes Blatt, das Kraftliner auch in puncto Sauberkeit sehr nahekommt. Dadurch vermittelt dieses Produkt aus 100 Prozent Altpapier eine bislang für Recyclingpapiere unerreicht hohe Anmutung von Wertigkeit. Aus Hammerliner gefertigte Obststeigen für die Agrarwirtschaft sehen einfach ansprechender aus und als Verpackungsstoff für den Maschinenbau unterstreicht das Papier die Güte von Aggregaten und Komponenten. Entscheidende Voraussetzung für diese hohe Qualität ist der technische Vorsprung der Wellpappenrohpapiermaschinen von Schoellershammer. So schleust eine besondere Sortiertechnik zuverlässig größere Partikel von Fasern oder Druckfarben aus. Beim Stärkeauftrag kann das Unternehmen die Papiereigenschaften durch den Einsatz eines sogenannten Spraysizers in der Produktion sehr fein steuern. Weltweit lassen sich die Hersteller an einer Hand abzählen, die - wie der Dürener Hersteller - diese besondere Technik einsetzen. Entsprechend groß ist der Erfolg von Hammerliner, der aktuell ab einem Flächengewicht von 115 g/m² angeboten wird. Für Bernd Scholbrock liegt der Grund auf der Hand: "Die Kunden haben Alternativen zu Kraftliner gesucht. Jetzt hat sich der Markt an High-Performance-Sorten gewöhnt."

Sicher auf der richtigen Welle

Das spiegelt sich auch in der hohen Nachfrage nach der Hammerflute wider. Mit signifikant besseren spezifischen Festigkeitswerten als Standard-Wellstoff erfüllt dieser ab 115 g/m² angebotene High-Performance-Wellstoff entsprechend anspruchsvolle Erwartungen der Automobilindustrie oder Agrarwirtschaft. Als Ersatzprodukt für HZ-Fluting weckte auch die Hammerflute schnell großes Interesse bei Branchen, die entsprechende Festigkeiten brauchen und unter der schlechten Verfügbarkeit von Primärfaserprodukten litten. "Heute sind diese Kunden davon überzeugt, dass es für sie auch beim Wellenstoff kein Zurück mehr zu Produkten auf Frischzellulosebasis gibt", so Scholbrock.

Mit Twinhammer bietet Schoellershammer ein drittes Spezialprodukt. Es vereint die Spezifikationen von Testliner und Wellenstoff in einem Papier, das - dank garantierter Dual-Use-Qualität - universell einsetzbar ist. Die Vorteile liegen auf der Hand: weniger Working Capital, immer den richtigen Rohstoff bei Varianzen in Verbrauch oder Auftragsstruktur im Zugriff sowie reduzierter Bedarf an Lagerfläche. Die Ergänzung des Sortiments von Schoellershammer um diese drei High-Performance-Sorten - die Produktrange umfasst außerdem Wellenstoff und Testliner 3 - bietet der vornehmlich mittelständischen Kundschaft die Möglichkeit, ihre Aufträge bedarfsgerecht zu diversifizieren

Niedrige Flächengewichte als Selbstläufer

Für Schoellershammer war die Anschaffung einer zweiten Papiermaschine - der PM 6 - logische Konsequenz dieser breiteren Aufstellung. Sie nahm 2017 ihren Betrieb auf und beantwortet erneut zwei Markttrends: Die Breite der auf ihr produzierten Wellpappenroh­papiere von 5,60 Metern entspricht der Arbeitsbreite moderner Wellpappen­anlagen. Zugleich bedient sie die zunehmende Nachfrage nach niedrigen Flächengewichten. Auf der vorhandenen PM 5 werden Papiere mit Flächengewichten von 115??-?180 g/m² - und damit auch alle High-Performance-Sorten - produziert. Die neue PM 6 ist für leichte Papiere im Bereich von 80 - 120 g/m² Flächengewicht ausgelegt. Am stärksten nachgefragte Papiere im mittleren Bereich werden auf beiden Maschinen produziert, um maximale Verfügbarkeit und Flexibilität zu gewährleisten. Ein Konzept, das sich von Anfang an als Volltreffer erwies: Schon 2017 überstieg die Produktion mit 465.000 Tonnen die Erwartungen, 2018 werden die beiden Maschinen zusammen 500.000 Tonnen Papier produzieren und damit bereits das erst für 2019 angestrebte Ziel erfüllen.

Voraussetzungen geschaffen für nächsten Benchmark

Beflügelt von diesem Erfolg investierte Schoellershammer jetzt erneut in die Stoffaufbereitung der PM 6, um die Auflösemöglichkeiten auszubauen. Neben der Erweiterung der Produktionskapazität ist damit auch der Einsatz höherer Altpapierqualitäten denkbar, um zum Beispiel die Range der so erfolgreichen High-Performance-Produkte auch auf niedrigere Flächengewichte auszudehnen. Die notwendige Mechanik und elektrischen Anschlüsse sind installiert, damit liegen die technischen Voraussetzungen dafür vor. Sofern sich ein entsprechender Bedarf abzeichnet, kann bei Schoellershammer ab Herbst die Entwicklung der Markenprodukte mit einem Flächengewicht ab 90 g/m² anlaufen. Ein Angebot, mit dem das Unternehmen einmal mehr einen Benchmark setzen würde: "Mir ist nicht bekannt, dass es solche Produkte in 90 oder 100 g/m² am Markt gibt", erläutert Bernd Scholbrock. Aktuell laufen Marktuntersuchungen zur Nachfrage dieser Qualitäten, die eine echte Marktlücke schließen würden. Schoellershammer sucht zudem gezielt das Gespräch mit Kunden, um weitere Einsatzmöglichkeiten für die Hammerflute zu diskutieren. "Wir laden alle Kunden ein, darüber mit uns zu sprechen", ermuntert Bernd Scholbrock die Wellpappenhersteller.

Bedarf wird bestmöglich bedient

Rosinenpickerei bei niedrigen Flächengewichten beugt Schoellershammer allerdings konsequent vor: Aufträge für 80 g/m²-Papiere werden nur mit einem Äquivalent an hohen Flächengewichten angenommen. Denn obwohl die 150 Meter lange PM 6 rund um die Uhr mit 72 km/h vollautomatisch läuft, sind beide Papiermaschinen ausgebucht. Folglich kann das Unternehmen Sonderbedarf nur bedingt abbilden. "Natürlich kann ein Bestandskunde, der hauptsächlich Standardwellenstoff und Testliner 3 kauft, Teile seines Kontingents zu Hammerliner oder Hammerflute switchen," betont Bernd Scholbrock. "Das ist sogar hochwillkommen!" Auch Erstkunden erhalten im Rahmen ihres Kontingents Teilmengen an High-Performance-Sorten. Werden jedoch nur Standardsorten in niedrigen Flächengewichten gewünscht, muss das mit freien Kapazitäten bei Schoellershammer ausbalanciert werden. "Wir akquirieren nicht auf Biegen und Brechen, sondern schauen erstmal, dass unsere Bestandskunden in ihrem Bedarf bestmöglich bedient werden", lautet die klare Botschaft. Mit diesem Commitment will Schoellershammer Bestandskunden zum Wechsel innerhalb des Kontingents ermuntern, um so der mittelständischen Klientel die Sicherheit zu geben, auch künftig Markttrends beantworten zu können. Diese Kundengruppe ist traditionell bei Schoellershammer besonders gut aufgehoben, da sie hier Standards und Spezialprodukte aus einer Hand erhält. Als nicht integrierter Hersteller bietet das Unternehmen damit dem Mittelstand die unverzichtbare Sicherheit gegen Verfügbarkeitsmangel bei - dank Standort im Herzen Europas - kurzen Lieferzeiten und sehr flexiblem Service.

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