28. September 2018 | Unternehmen & Märkte

Prof. Dr.-Ing. Dr. h.c. Lothar Göttsching gestorben

Quelle: Fotostudio Christiane, Baden-Baden

Prof. Dr.-Ing. Dr. h.c. Lothar Göttsching starb im Alter von 82 Jahren am 26. September 2018. Er  leitete das Institut für Papierfabrikation der Technischen Universität Darmstadt als Nachfolger von Prof. Dr.  Walter Brecht, dem Bruder des Schriftstellers Berthold Brecht, von 1971 bis 2002. Lothar Göttsching bildete mehr als 500 Papieringenieure aus, veröffentlichte mehr als 400 Fachartikel und erhielt zahlreiche Auszeichnungen.


Von 1956 bis 1961 studierte er an der Technischen Universität Darmstadt. Von 1961 bis 1966 war er als Forschungsassistent am Finnischen Zellstoff- und Papierforschungsinstitut (KCL) in Helsinki tätig. Von 1966 bis 1971 wirkte er als Leiter für Forschung und Entwicklung für die Vereinigte Verpackungsgesellschaft GmbH in Monheim/Rheinland. 1969 wurde er zum Dr.-Ing. promoviert. 1971 wurde er zum Nachfolger von Walter Brecht an die TH Darmstadt berufen. 2012 erschien im Dreieicher Midu Verlag sein 380 Seiten starkes Buch „Der Papierprofessor – Lebenserinnerungen“.


Lothar Göttsching wurde 1936 in Berlin geboren und 1943 in die Heimat der Mutter, in der ostbrandenburgische Neumark, evakuiert. Nach dem Einmarsch der Roten Armee Anfang 1945 wurde die Familie von dort vertrieben, und er wuchs in Bad Soden am Taunus auf. Von der Universität Grenoble erhielt er 1994 die Ehrendoktorwürde, im Verein Zellcheming war er Ehrenmitglied, und ihm wurde 1983 die Walter-Brecht-Denkmünze verliehen. Vom finnischen Verband der Papieringenieure erhielt er 1972 den Jansson Award. Unter seiner Leitung enstanden auch die ersten Beiträge des Darmstädter Instituts zur Arbeit des europäischen Verbandes der Deinking-Unternehmen (INGEDE), so auch  die ersten INGEDE-Methoden. Er galt immer als „Altpapier-Papst“, und die deutsche Papierindustrie verdankt ihn gerade auf diesem Gebiet sehr viel. Lothar Götttsching war auch Mitglied in der Paper Hall of Fame.


Nach seiner Emeritierung begann Lothar Göttsching auf den Rat seiner Frau hin mit dem Golfspiel. Wer einmal 18-Loch mit ihm spielen durfte, kam zu dem Urteil, dass er immer ein fairer Sportsmann war, der gute wie schlechte Ergebnisse auf dem Platz klaglos hinnahm und einen sehr gefestigten Charakter verbunden mit einem glasklaren analytischen Verstand hatte. G.B.

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