08. März 2018 | Unternehmen & Märkte

IP will feindliche Übernahme von Smurfit Kappa

Der US-amerikanische International Paper Konzern (IP) unterbreitete ein Angebot von 10 Mrd. US-$ für eine feindliche Übernahme der irischen Firma Smurfit Kappa. Der Kurs der Smurfit Kappa Aktie stieg daraufhin um 20 % auf ca. 34 €. Liam  O’Mahony, Chairman des Verwaltungsrats von Smurfit Kappa, erklärte der Verwaltungsrat sei einstimmig gegen dieses unaufgefordert betriebene, hochgradig opportunistische Vorhaben. Es spiegele den Unternehmenswert und die Perspektiven des Unternehmens nicht wieder. Das Management Team von Smurfit Kappa wird nach Ansicht des Verwaltungsrats alleine deutlich größeren Wert für  Smurfit Kappa Aktionäre erwirtschaften können als im Falle einer Übernahme durch IP. Tony Smurfit wies in einem Interview mit der Zeitung Irish Independent darauf hin, dass die Kultur von International Paper vollständig unterschiedlich zu der von SmurfitKappa sei. Und er ergänzte: “Das Vorhaben  ist sehr  weit weg von allem, was der Verwaltungsrat von SmurfitKappa auch nur im Entferntesten als akzeptabel ansieht.“

Smurfit Kappa machte 2017 einen Umsatz von 8,6 Milliarden € und einen Gewinn vor Zinsen, Steuern, Abschreibungen und Amortisationen von 1,24 Milliarden €. IP setzte im vergangenen Jahr ca. 21,7 Milliarden US-$ um, wobei 4,1 Milliarden US-$ des Umsatzes aus dem Verkauf grafischer Papiere resultiere und  etwas mehr als 15 Milliarden US- $ entfällt auf den Bereich industrielle Verpackungen. Die Marktkapitalisierung von Smurfit Kappa liegt bei 8,2 Milliarden €, die von IP bei 19,3 Milliarden US-$.

83,4 % der Aktienanteile von IP liegen bei sogenannten institutionellen Anlegern, allen voran als zweitgrößter Aktionär die überaus bekannte Firma Black Rock, mit einem Anteil von etwa 36 Millionen Aktien, was einem Anteil von unter 10 % entspricht. Bei Smurfit Kappa ist der größte Aktionär die Norges Bank Investment Management mit einem Anteil von knapp 7 % der 237 Millionen Aktien. Ansonsten befindet sich Smurfit Kappa im Streubesitz.

Bewertung:

Die Logik hinter dem feindlichen Übernahmeangebot von IP liegt vor allem darin, als größter Papierkonzern der Welt durch Zukäufe weiter schnell zu wachsen und das im Geschäftsfeld Verpackungen, das von der Börse als hochgradig wachstumsstark und zukunftsträchtig angesehen wird. Eine solche Übernahme könnte dem Börsenkurs von IP nutzen und es würde den Abstand zum Wettbewerber WestRock, der mittlerweile nach Zukäufen und starkem organischen Wachstum auch ca. 15 Milliarden US-$  im Wesentlichen mit Verpackungen umsetzt, deutlich erhöhen.

Im Falle einer Übernahme gibt es, wenn auch keine großen, Überschneidungen auf dem US-Markt, wo Smurfit Kappa diverse Unternehmen besitzt. Mögliche Synergien erschließen sich auf den ersten Blick wenige. Die Unternehmenskulturen beider Unternehmen dürften, wie Tony Smurfit zu recht sagt, sehr verschieden sein, sodass bei einem Merger beider Unternehmen erhebliches Porzellan zerschlagen werden dürfte. Immer getreu dem Highlander-Motto: Es kann nur einen geben.  Ehemalige Kappa Mitarbeiter, die die Übernahme von Kappa durch Smurfit intensiv erlebt haben, könnten hiervon ein Lied singen. Die Unterschiede in der Unternehmenskultur zwischen Smurfit Kappa und IP dürften allerdings noch größer sein als damals. Größe per se kann bei der Führung eines Riesenkonzerns hinderlich sein, sodass das Argument zusätzlicher Größe bei der Zusammenführung solcher Riesenunternehmen wenig Sinn macht. Das Zusammenwachsen der beiden Konzerne Smurfit und Kappa war eine langwierige, schwierige Managementaufgabe, die von einigen Beteiligten lange unterschätzt wurde. Nun ist sie gelungen und weitgehend beendet. Smurfit Kappa befindet sich in ausgezeichneter Verfassung und hat alleine eine gute Zukunft vor sich. All dies würde im Falle einer feindlichen Übernahme grundlegend verändert.

IP bietet für Smurfit-Kappa 10 Milliarden $, ein Werk der etwa dem Jahresumsatz oder dem siebenfachen des EBITA entspricht. Bei Übernahme großer Unternehmen ist es durchaus üblich, dass 10-20-fache des EBITA zu bezahlen. Insofern kann der Verwaltungsrat dieses Angebot zu Recht als etwas kleinkariert ansehen und es zurückweisen. Prinzipielle Bedenken würden vermutlich auch bei einer Verdoppelung des Preises bleiben. IP kommentierte den gesamten Vorgang bisher nicht offiziell.

Politisch betrachtet sind die Vorzeichen zu der Übernahme eines im Wesentlichen europäischen Unternehmens durch einen US-amerikanischen Konzern schlecht.  Mit einem US-amerikanischen Präsidenten Trump, der gerade drauf und dran ist, einen Handelskrieg anzuzetteln, offensichtlich ohne die Bedeutung des Handels bei der Erziehung von Wohlstand zu kennen, wachsen die Ressentiments diesseits und jenseits des großen Teiches. Die deutsch-amerikanische oder europäisch-amerikanische Freundschaft hat in letzter Zeit gelitten.

Von Gerhard Brucker

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